Die optimale Detail-Auflösung beim Einscannen von SW-Negativen mit dem Plustek OpticFilm 7600i


Da ich eine größere Anzahl von SW-Negativen aus meinem Archiv mti dem Plustek OpticFilm 7600i einscannen wollte, und mir die Arbeit erleichtern will, habe ich vorab einmal geprüft, welche Auflösung und welche Einstellungen dazu optimal und sinnvoll sind.

Zum "Vermessen" der Detailauflösung habe ich ein Test-Dia, genau ein "USAF 1951 Resolution Target" verwendet und damit ein paar Tests gemacht.

1. Spielt es eine Rolle mit welcher Farbe man einscannt?

Man liest ja hin und wieder den Tip, die SW-Negative in Farbe (RGB) einzuscannen um dann später die Konversion nach Schwarz-Weiß in Photoshop besser machen zu können und man dann dazu den besten Farbkanal nachträglich auswählen zu können.

Um herauszufinden wie es beim Plustek OpticFilm 7600i ist habe ich das Test-Dia mit Vuescan mehrfach mit 7200 DPI gescannt und dabei jeweils als Quelle für die SW-Umwandlung wahlweise "auto" (macht es irgendwie), Grün, Rot, Blau und Infrarot eingestellt.

Dann habe ich bei den Scans versucht die Auflösung zu ermitteln. Dazu wählt man dasjenige Element aus, bei dem man die senkrechten und waagerechten Striche gerade noch erkennen kann. In der mit dem Resolution-Target mitgelieferten Tabelle kann man dann anhand des Elementes in einer Tabelle die Auflösung ablesen. "gerade noch zu erkennnen" ist natürlich eine etwas subjektive Messmethode und nicht immer eindeutig festlegbar. Bei unterschiedlichen Personen kann das durchaus um 1-2 Elemente "schwanken" oder man kann sich nicht genau auf ein Element festlegen.

Hier meine Ergebnisse:
Bild Farbe Gruppe Element Auflösung (DPI)
7200dpi_Blau.png
Blau 6 3 4096
7200dpi_Rot.png
Rot 6 2 3649
7200dpi_Gruen.png
Grün 6 2 3649
7200dpi_auto.png
Auto 6 1 3251
7200dpi_Infrarot.png
Infrarot 4 4 1149


Unabhängig von der obigen Einteilung in Elemente ist es im direkten Vergleich (wenn man die verschiedenen Scans übereinanderlegt und dann hin und her wechselt) ganz eindeutig. Blau liefert ganz klar am meisten Details/Auflösung.

Blau ist der Sieger. Die Empfehlung, im RGB-Modus zu Scannen (und damit dreimal so große Bilddateien zu haben) und dann hinterher in Photohop die schärfste Farbe auszuwählen halte ich aber für überflüssig, denn mit dem Ergebnissen werde ich nun direkt beim scannen den Blau Kanal verwenden und den in 16 Bit Grau speichern.

2. Soll man mit der gewünschten Auflösung scannen oder mit der besten Auflösung scannen und dann herunterskalieren?

Dazu habe ich drei neue Scans gemacht (jeweils in 16 Bit Grau mit Blau als Quelle):
Bild Scan Gruppe Element Auflösung (DPI)
3600dpi_gescannt.png
Scan mit 3600 DPI ohne Skalierung 5 4 2299
3600dpi_vuescan.png
Scan mit 7200 DPI und Skalierung direkt von Vuescan 5 5 2580
3600dpi_photoshop.png
Scan mit 7200 DPI und Skalierung hinterher mit Photoshop (bikubisch) 5 5 2580


Das Ablesen der richtigen Elemente war hier noch schwieriger, weil weniger Bildpixel vorhanden waren, und es bei bei der oberen Variante auch G5/E5 und beiden anderen beiden auch G5E6 (2896 DPI) sein könnten. Je nach Einschätzung/Ablesung.

Im direkten Vergleich ist es aber optisch eindeutig. Der Scan mit 3600 DPI hat die geringste Auflösung und der Scan mit 7200 DPI herunterskaliert auf 3600 DPI ist besser. Wobei das Ergebnis mit
Vuescan und Photoshop identisch ist - beide also gleich gut herunterskalieren.

Mein Fazit: Statt mit 3600 DPI zu scannen lieber mit 7200 DPI scannen und dann direkt von Vuescan beim Speichern auf die Hälfte herunterskalieren lassen. Oder mit 7200 DPI scannen ohne herunterzurechnen, weil damit die Auflösung von ca. 2800 DPI auf ca. 4000 DPI steigt.

Auf "Filmscanner.info" wurde die Ausflösung OpticFilm 7600i auch mit einem USAF 1951 Resultion-Target gemessene. Ergebnis: 3250 DPI (beim scannen mit 7200 DPI) und 2600 DPI (beim scannen mit 3600 DPI). Wenn man davon ausgeht, dass die in Farbe gescannt haben (nicht jeder will SW-Scannen) "passen" diese schlechteren Werte durchaus zu meinen obigen Messungen.

Reality-Check, oder die Auflösung von SW-Negativen

Die obigen Ergebnisse relativieren sich natürlich wieder etwas, wenn man sich mal anschaut, wie gut/schlecht der gescannte Negativfilm denn nun ist. Bis auf wenige Ausnahmen, z.B. wenn man einen Agfa Ortho 25 scannt, der hinter einer guten "Scherbe" (aka Objektiv) hing wird man zwischen 4000 und 2800 "echten" DPI kaum einen Unterschied der bildwesentlichen Teile feststellen. Höchstens das Korn des Films wird etwas feiner aufgelöst und dafür verdoppelt sich dann die Dateigröße.

Etwas unschönes, was mir noch aufgefallen ist:

Bei meinen Tests habe ich mit dem exakt Pixelgenauen Bildausschnitt gescannt, wenn ich dann aber die verschiedenen Scans in Photoshop übereinander gelegt habe für den A/B-Vergleich, konnte ich einen vertikalen Pixelversatz feststellen (beim direkten A/B Vergleich verschiebt sich das Bild etwas nach oben/unten).

Selbstverständlich steht der Scanner auf einer stabilen und schwingungsunempfindlichen Unterlage und niemand hat während und zwischen den Scans die Unterlage oder den Scanner angestossen. Das wiederum bedeutet, dass der Scanner bei der Positionierung ein Problem hat, oder die Scanvorlage sich durch die Vibration des Scanners (er rattert ja ganz gut beim scannen und der Filmschieber sitzt nicht "bombenfest" im Scanner sondern ist leicht verschiebbar) leicht verschiebt.

Damit sind Mehrfachscans mit dem Scanner aber kaum sinnvoll.


Hier noch ein paar Links